Kleinstadtakademie: Erfahrungsaustausch zur Umnutzung leerstehender Gebäude

Wenn Arbeit langfristig Früchte trägt, kann man besonders stolz darauf sein. Zur Erinnerung: Als sich die Marktgemeinde Dießen 2021-2023 im Pilotvorhaben der damals zukünftigen Kleinstadtakademie des Bundes in einem Städteverbund mit Mölln (Schleswig-Holstein), Wittenberge (Brandenburg), Oestrich-Winkel (Hessen) und Dippoldiswalde (Sachsen) beteiligte, hatten wir zweimal im Ammersee-Denkerhaus Besuch unserer Partner, und wir Dießener zeigten ihnen als eine der hiesigen Herausforderungen die Huber-Häuser.

Inzwischen ist die Kleinstadtakademie vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen gestartet worden – auch mit dem in unserem Städte-Verbund erarbeiteten Wissensbaustein zum „Impact der neuen Arbeitswelt für die Kleinstadtentwicklung“. Als bundesweite Schnittstelle der mehr als 2.100 Kleinstädte in Deutschland will sie dazu beitragen, dass Kleinstädte Wissen und Erfahrungen besser miteinander teilen, von guten Ideen und praktikablen Lösungen aus anderen Städten in Deutschland profitieren können. Dafür geht sie bundesweit auch auf Tour – und vergangene Woche kam sie nach Bayern. Im malerischen unterfränkischen Städtchen Münnerstadt behandelte sie unter der Überschrift „Bestand neu nutzen“, was andere Kleinstädte in Deutschland von Münnerstadt, Ebern, Gudensberg UND Dießen am Ammersee lernen können, um leerstehende Bestandsimmobilien umzunutzen.

Münnerstadts Bürgermeister Michael Kastl begrüßte Amtskolleginnen und ‑kollegen. Er gewährte in einer imposanten Beispiel-Immobilie Einblicke in die Erarbeitung eines Nutzungskonzepts für das ehemalige Berufsbildungszentrum (BBZ) auf dem Münnerstädter Karlsberg. In dem Gebäude sind derzeit die Montessori-Schule und ein Schülerhort als Zwischennutzer untergebracht. Ein gutes Modell, um das Leerstehen des Objekts zu verhindern und Synergien zu schaffen. „Das BBZ muss stehen bleiben. Wir wollen seine graue Energie nutzen und zeigen, dass Bestand weiterentwickelt werden kann“, betonte Bürgermeister Kastl während einer Führung.

Auch andere Städte präsentierten Herangehensweisen, mit denen sie Bestandsgebäude erhalten und einer neuen Nutzung zuführen wollen oder das bereits erfolgreich konnten. Sina Massow, Bürgermeisterin der Stadt Gudensberg in Hessen, sprach über den abgeschlossenen Umbau eines Supermarkts aus den 80er-Jahren zu einem Begegnungszentrum. Jürgen Hennemann, Bürgermeister der Stadt Ebern im unterfränkischen Landkreis Haßberge, stellte die Umwandlung der Balthasar-Neumann-Kaserne zu einem Gewerbepark mit 40 Unternehmen vor.

Die Marktgemeinde Dießen war eingeladen, ihre Ideenwerkstatt zur Nachnutzung der ehemaligen Druckerei Huber vorzustellen. Davon berichtete die Bauingenieurin und Projektentwicklerin Anni Sander, deren Bürgerinitiative „Kulturwerkstatt“ sich mit einem Konzept daran beteiligt hatte.

Im Nachgang schrieb die Kleinstadtakademie zum Treffen in Münnerstadt: „So unterschiedlich die Projekte auch sind: Einig waren sich die Teilnehmenden über die Bedeutung, die ein transparenter Prozess, sichtbare Meilensteine und die Kommunikation selbst kleiner Zwischenerfolge haben. ‚Die Menschen wollen sich nicht jahrelang beteiligen, ohne dass sie das Gefühl haben, dass etwas gemacht wird!‘, so Eberns Bürgermeister Hennemann. Und weiter heißt es im Veranstaltungsbericht: „Immobilienentwickler Oliver Imlauf rief zu einem engen Miteinander auf. Gerade in einem schwierigen Marktumfeld müssten Kommunen, gemeinwohlorientierte Projektentwickler und Private neue Wege der Zusammenarbeit finden. Eine Schlüsselrolle – das ging aus praktisch allen Beispielen hervor – kommt dabei dem Stadtoberhaupt zu, das durch persönliche Mitwirkung und Kommunikation die Wichtigkeit eines solchen Projektes untermauert. Die Empfehlung der anwesenden Bürgermeisterinnen und Bürgermeister: In jedem Fall sei es besser, auch komplexe Projekte zu starten, statt nichts zu tun. Wenn Kommunen die Chance bekommen, stadtbildprägende, aber leerstehende Objekte zu erwerben, sollten sie diese nutzen.“

Siw Foge, Leiterin der Kleinstadt Akademie, verwies zum Abschluss auf die besonderen Stärken kleiner Städte, in denen kurze Wege eine pragmatische Lösungsfindung begünstigen: „Gerade weil man sich hier in unterschiedlichen Rollen, im Verein, im Stadtrat, bei der Bank und in der Feuerwehr begegnet, ist der erste Schritt für die Entwicklung gemeinsamer Lösungen schnell gemacht.“

Für unser Ammersee Denkerhaus könnten die zu einem modernen, gastlichen MehrWertOrt transformierten Huber-Häuser in hoffentlich nicht allzu fernen Tagen eine hoch interessante Perspektive zu Weiterentwicklung bieten.

Bild v.l.n.r.: Münnerstadts Bürgermeister Michael Kastl; Anni Sander, Dießen; Siw Foge, Leiterin der Kleinstadt Akademie; Thomas Harant, Leiter der Projektgruppe Landstadt Bestand im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr.