„The same procedure as every year“

Ein gutes Neues, liebe Leute! – Seid Ihr gut reingerutscht ins 2026? Wer von Euch hat sich am Silvestertag auch wieder über Miss Sophie & ihren Butler James amüsiert? „The same procedure as every year“….

Dieses legendäre Frage-Antwort-Spiel kam mir in den Sinn, als ich dieser Tage im Web eine Meldung zur aktuellen Entwicklung der Arbeitsmobilität fand:

Wie in den Vorjahren ist von wachsenden PendlerInnen-Zahlen und Pendelstrecken sowie Pendelzeiten zu lesen. Auch die unrühmliche Spitzenposition unseres Heimatlandkreises Landsberg am Lech ist wieder „gehalten“ worden: Demnach sind die längsten durchschnittlichen Pendeldistanzen in den ostdeutschen Landkreisen Märkisch-Oderland (27,4 km), Ludwigslust-Parchim (27,3 km) und Altmarkkreis Salzwedel (27,2 km) gemessen worden, während wir – der Lkrs. Landsberg am Lech – mit 26,7 km, dann Pfaffenhofen an der Ilm (26,5 km), folgen: die traurigen Spitzenreiter im Westen der Bundesrepublik.

Errechnet hat das wieder das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung BBSR in Bonn auf der Grundlage von Daten der Bundesagentur für Arbeit. Mit diesem BBSR hatten wir übrigens in Dießen vor noch gar nicht langer Zeit etwas engere Berührungspunkte: als die Marktgemeinde in einem bundesweiten Städteverbund mit Mölln, Wittenberge, Oestrich-Winkel und Dippoldiswalde an Wissensbausteinen für die inzwischen gegründete Kleinstadtakademie des Bundes arbeitete. Der Forschungsgegenstand war der Einfluss der neuen Arbeitswelt auf die Kleinstadtentwicklung, weshalb auch bei uns das Denkerhaus und eine hier erfolgreich wirkende Taskforce mit kompetenten Dießenerinnen und Dießenern arbeitete. (Infos dazu auf der Dießen-Website, die Ergebnisse des Verbundes mit Beteiligung Dießens sind hier online: „StadtLabor Kleinstadt – Digitale Arbeitswelten in Kleinstädten. Modellvorhaben in der Pilotphase der Kleinstadtakademie“.)

Das BBSR kommentiert das anhaltende Anschwellen der PendlerInnen-Zahlen so: Es habe spürbare Folgen für Verkehr, Umwelt und Lebensqualität. Um die Belastungen durch den Pendelverkehr zu verringern, seien Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr, sichere Radwege und Radschnellverbindungen sowie mehr Homeoffice- und Co-Working-Angebote nötig.

Das klingt wirklich nach Miss Sophie & James: schon in den Vorjahren haben wir hier von wachsenden Pendelströmen und der unrühmlichen Spitzenposition unseres Landkreises geschrieben, verbunden mit Hinweisen, wie Arbeiten im Coworking-Space zum Gegensteuern beitragen kann. Ganz „The same procedure as every year“-like hatte dies aber kein Gehör gefunden: Nicht in „der Politik“, nicht in den lokalen Medien, auch nicht den „sozialen Medien“… Was uns im Denkerhaus auch weiter treiben muss darüber nachzudenken, warum das eigentlich so ist.

Es gibt nicht „die eine Lösung“, wie es auch nicht den „einen einzigen Grund“ gibt. Aber – das lehrt unser bayern- bzw. bundesweites Tun in der Entwicklung von Coworking-Angeboten: Es wird nur dann eine Besserung geben, wenn Coworking-Betreibende, Arbeitgebende, Arbeitnehmende und Kommunen gemeinsam an Lösungen arbeiten.

Das neue Jahr könnte bei so manchem einen Schub bringen: ArbeitnehmerInnen könnten sich für das neue Jahr vornehmen, weniger zu pendeln und stattdessen mehr für die Umwelt, ihre Lebensqualität und ihr Engagement vor Ort zu tun; die heraufziehenden bayerischen Kommunalwahlen könnten auf Landkreis- wie Gemeindeebene Wahlversprechen vorangegangener Wahlkämpfe wachküssen; Coworking-Betreibende könnten mit neuem Schwung ihre Angebote sichtbarer machen und weiterentwickeln…

Wir erwarten mit Spannung, was in 12 Monaten Miss Sophie & James dazu zu sagen haben werden.